Ein einziges UW-Gehäuse für NIKON digital D 70s und NIKON analog F 70
und ein UW-Gehäuse für Digitalblitz SB 800 und Analogblitz SB 26
Als sich nach nur 5-jährigen professionellen Einsatz zu Jahresbeginn 2007 meine Olympus E 10 unreparabel verabschiedete (Ersatzteile für Elektronik sind nicht mehr verfügbar!), war ich froh mich doch nicht für den Kauf eines dafür geeigneten UW-Gehäuses entschieden zu haben. Unter Wasser setze ich die NIKON F 70 und die Nikon F 90x in zwei verschiedenen Gehäusen von „Sealux“ ein. Aber ich möchte die Vorzüge der Digitalfotografie auch weiterhin nutzen, also musste etwas Neues her. Da ich wegen der Ersatzteilstrategie bei „Olympus“ die „Nase voll hatte“ und NIKON endlich auch erschwingliche professionelle digitale Technik ankündigte, entschied ich mich für eine NIKON D 70s als Einsteigermodell, die damals gerade auf den Markt kam. Zufrieden mit der Verwendung bereits vorhandener analoger D-Objektive an diesen digitalen Teil, legte ich mir etwas später noch eine NIKON D 200 und einen NIKON SB 800 für den wirklich professionellen Anspruch zu.
So bin ich glücklicher Nutzer von 4 NIKON-Kameras und 2 NIKON-Blitzgeräten und konnte immer noch nicht digital unter Wasser fotografieren. Das Kostenangebot von „Sealux“ für ein UW-Gehäuse für meine NIKON D 200 nahm mir dafür noch die letzte Hoffnung.
Als gelernter DDR-Taucher, weiß man aber, daß man sich auch selbst helfen kann, wenn es um den
Eigenbau von UW-Gehäusen geht. Die NIKON D 70s soll in das „Sealux-Gehäuse“ Fotos machen und die in diesem Gehäuse sonst ansässige F 70, soll auch weiterhin vollwertig genutzt werden können. Das Ganze ist aber nur sinnvoll, wenn sich der SB 800 mit der Kabelverbindung zwischen dem Blitzgehäuse von „Seacam“ und der Kamera vollwertig einsetzen lässt und das tut es. Der SB 800 passt auf Anhieb in das „Miniflash-Gehäuse“ von „Seacam“ hinein. Mit der Schaltwippe für die Funktion „Light“ lässt er sich auch ein- und ausschalten.
Die D 70s kommuniziert trotz Kabellänge mit dem SB 800 und die Originalsteckverbindungen funktionieren problemlos. Vor Verschließen des Deckels sollten aber alle gewünschten Einstellungen am Blitz festgelegt sein. Wer Geld sparen will, muss mit Kompromissen leben.
Das trifft auch auf die Bedienbarkeit der NIKON D 70s im Gehäuse zu, bei der nur der Auslöser und das Zoom-Rad am analogen Objektiv AF Nikkor 28-70 D bewegt werden können. Die Kamera muss also vor Verschließen des Gehäusedeckel eingeschaltet und alle für die vorgesehene Aufnahmesituation notwendigen Erfordernisse müssen eingestellt werden.
Beim Einsetzen der NIKON D 70s in das F 70-Gehäuse merkt man sofort, dass es eigentlich garnicht passen will. Die Kamera ist absolut nicht in die horizontale Mitte des Gehäuses zu bewegen.
Die Objektivmitte sitzt leider oberhalb des Port-Mittelpunktes. Darunter leidet auch die Position des Suchers im Gehäusedeckel. Man hat aber trotzdem ein volles Sucherbild zur Verfügung.
Der Kamerabody gelangt an dieser Stelle der Gehäuseform an die Grenze der Möglichkeit zur Zentrierung und schließt so die Verwendung von Domeports aus. Solange sich das Objektiv planparallel hinter der Frontscheibe des Planports befindet, gibt es aber keinerlei optischen Einschränkungen und das ist mit genauer Justage der Grundplatte möglich.
Zuvor erfordern die Abstandshalter im Gehäuse ihre Zuwendung. Den unteren Abstandshalter habe ich entfernt und in die Gehäusebohrung die Madenschraube aus der Auslöserwelle eingesetzt. So kann das winzige Teil nicht verloren gehen und die Gewindebohrung wird verschlossen. Der obere linke Abstandshalter dient bei der Justage der Grundplatte und des Kamerabody zur planparallelen Ausrichtung. Auf ihm liegt die Gurtöse des Kamerabody auf.
In der rechten Gehäusehälfte muß die Kamera im Gehäuse aufliegen. Sonst lässt sich der Gehäusedeckel nicht mehr schließen. Die nächste Abbildung zeigt die drei Auflageflächen zur planparallen Justage der Kamera in 3 aufeinanderfolgenden Schritten.
Nach dem Abschrauben der Originalgrundplatte werden für die neue Grundplatte Bohrungen für M 3 Maschinenschrauben unterhalb der Originalbohrungen des Gehäuses angebracht. Das geht gerade so, ohne die Originalborungen zu beschädigen. Mehr als M 3 geht so wie so nicht, da noch eine weitere Hürde zu nehmen ist und die ist im Gehäusedeckel verborgen.
Der Materialüberschuss aus dem Gehäuseguss ist leider im Deckel verblieben und fordert beim Aufsetzen auch im vorderen Teil des Gehäuses seine Existenz. Daher muss das untere Teil der Grundplatte fast auf die Größe der Schraubenköpfe der M 3 Edelstahlschrauben schrumpfen. Ich empfehle daher sehr ausdrücklich, zuerst die Grundplatte auf ihre Abmessungen zu schneiden und mit den zwei 3 mm Bohrungen zu versehen und dann erst die Bohrungen im Gehäuse anzubringen. Als Material für die Grundplatte verwendete ich eine Alu-Winkelschiene aus dem Baumarkt.
Bei Nulltoleranz sollte beim Setzen der Bohrung für die Stativschraube besonders sorgfältig gemessen und nachgedacht werden, damit nicht wie bei mir, erst die vierte Grundplatte zu ihrem passenden Loch für die Stativschraube kam. (siehe oben zum Thema: Justage) Noch viel enger geht es aber beim Auslösemechanismus zu. Der Grund auch, warum sich die Kamera im Gehäuse nicht ein- und ausschalten lässt.
Nach Demontage des Originalauslösehebels wird eine geköpfte M 4 Gewindeschraube in die Auslösewelle eingepasst. (sonst sitzt dort eine M 4 Madenschraube) Danach wird diese mit zwei Muttern gekontert und der neue Auslösehebel mit einer M 4 Mutter befestigt. (C) Die Original-Rückholfeder passt wie angegossen und funktioniert befriedigend. (D) Den Auslösehebel konnte ich mir aus dem gleichen Materialstück, welches ich bereits für die Grundplatte verwendete, sägen und feilen. Die Original-Ein- und Ausschaltwelle sitzt sehr eng am Auslöser und muss trotzdem gegen versehentliches Herausziehen gesicht werden, ohne die Beweglichkeit des Hebels zu behindern (B). Auch sollte die Welle nicht zu tief eintauchen, da sie sonst mit dem Auslöseknopf der NIKON D 70s in Berührung kommt. Das verhindern zwei U-Scheiben als Abstandshalter. (A)
Wird das nicht beachtet, rächt sich die Kamera mit Auslöseverweigerung. Die Originalwelle des ursprünglichen Einschaltmechanismus tippt den Auslöser an und die Kamera will im AF-Modus ständig scharf ziehen und irritiert den eigentlichen Auslösevorgang bei Anvisieren eines Motivs. So eng kann es zu gehen.
Bei der Verwendung des analogen NIKKOR 28-70 D, welches zuvor an der F 70 werkelte, braucht man nur den Zahnradantrieb auf dem Objektiv etwas nach vorn bringen und schon passen sich die „greissägeblätter“ ähnlichen Zahnkränze von „Sealux“ perfekt an. Mit Zoomen von 70 bis 28 mm ist man nun unter Wasser flexibel.
Deckel drauf und los geht‘s ! Richtiger: Deckel vorsichtig drauf. Denn auch hier geht es verdammt eng zu. Der Displayschutz und die Augenmuschel der NIKON D 70s müssen entfernt werden und trotzdem ist bei aufgesetztem Deckel ohne Runddichtring in der Gehäusenut nicht einmal ein Millimeter “Luft unterm Kiel“. Dieses Risiko unbedingt bereits beim Einbau der Grundplatte beachten!
Bei meinem ersten Einsatz unter Wasser testete ich neben dem Nikkor 28-70 D auch das DX Nikkor 18-70 ED mit äußerster Weitwinkeleinstellung. Das macht nicht nur an Land, sondern auch hinter dem Planport im kurzen Aufnahmeabstand unschöne Verzeichnungen, was aber bei natürlichen Motiven eher dynamisch wirkt.
Für die Modelfotografie unter Wasser würde ich mit manueller Blende fotografieren, um mehr Schärfentiefe und Hauttonfarben zu erhalten. Beim ersten Test stellte ich „P-Modus“ ein, wobei sich die D 70s bei eingeschalteten TTl-Blitz auf 1/60 Verschlusszeit einstellt und die Blende automatisch auf unterschiedlichste Lichtsituationen schnell und zuverlässig reagiert.
Fazit: Wer mit Kompromissen leben kann, ist mit der D 70s in diesem analogen Gehäuse gut bedient. Wer weiß, was er unter Wasser fotografieren möchte, hat dafür so wie so optimale Einstellwerte gefunden und fummelt nicht ständig an unterschiedlichen Einstellvarianten rum. Denn letztlich ist wichtiger, was sich vor und wer sich hinter der Kameratechnik befindet.